Kongresse / Fortbildungen

8. Symposium

>Psychosomatik - selbstverständlich in allen Fachgebieten<

  •  Somatoformer Schwindel – klinische Symptomatik, Differenzialdiagnose und Therapie
  • Lebenszyklen der Sexualität,
  • Selbstverletzendes Verhalten – ein Thema im Übergang vom Jugendlichen- zum Erwachsenenalter

Dieskussion: welcher Behandlungsspielraum bleibt der ärztlichen Psychotherapie nach der Reform des Gesetzes der Berufe der Psychologischen Psychotherapeuten und den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten?

 

Zeit: Freitag 09.11.2018, 15.30 – 18.00 Uhr

 

Ort: Ärztlicher Kreis- und Bezirksverband München, Elsenheimerstraße 63, 80687 München.

 

 

 

Bericht vom 6. Symposium am 11.11.2017 in München:

Psychosomatik - selbstverständlich in allen Fachgebieten!

 

Umsetzung in den somatischen Fachgebieten

  - sind Fortschritte mit der neuen MWBO zu erwarten?

 

Astrid Bühren, Harald Tegtmeyer–Metzdorf, Hildgund Berneburg

 

Diskutiert wurden die Folgen aus der aktuellen Planung der neuen Musterweiter-bildungsordnung für die Umsetzung von Psychotherapie und Psychosomatik in den somatischen Fachgebieten: Durch die Forderung eines obligaten Jahres Weiterbildung in der (Kinder- u. Jugend-)Psychiatrie oder der Psychosomatik in Voll- oder Teilzeit für den Erwerb des Zusatztitels Psychotherapie, insbesondere seitens psychiatrischer Standesvertreter,  würde vielleicht der Mangel an Weiterbildungs-assistenten in psychiatrischen sowie kinder- und jugendpsychiatrischen Ein-richtungen ein wenig gelindert, aber die psychotherapeutische Weiterbildung würde hierdurch den Kolleginnen und Kollegen, die bereits in somatischen Fächern niedergelassen sind, so gut wie unmöglich gemacht. Eine ausreichend gute und niedrigschwelige psychosomatische und psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung, ein zentrales Ziel der DPÄP, würde hierdurch konterkariert.

 

 

Schwierigkeiten und Lösungsansätze in der Behandlung komplex Traumatisierter

 

Dr. med. Peter Heinz (Prien)

Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Facharzt für Psychiatrie, Chefarzt der Abteilung für Psychotraumatologie an der Klinik St. Irmingard in Prien am Chiemsee.

Er referierte über Schwierigkeiten und Lösungsansätze in der Behandlung komplex Traumatisierter, also von Patienten, die neben den üblichen Diagnosekriterien einer PTBS eine Störung der Affektregulation, ein negatives Selbstkonzept und Beziehungsstörungen aufweisen. Heinz betonte, dass aktuelle Studien belegen, dass ohne Traumakonfrontation keine größeren therapeutischen Erfolge bei dieser stark belasteten Patientengruppe langfristig zu erwarten sind. Eine Stabilisierung ist sehr wichtig und steht am Anfang der Behandlung, ist jedoch alleine nicht ausreichend. Trotz des hochwirksamen stationären Therapiekonzeptes ist die Symptombelastung auch bei Entlassung im Durchschnitt noch hoch. Schnelle Erfolge sind bei komplex Traumatisierten nicht zu erwarten. In der sich unbedingt anschließenden langfristigen ambulanten Behandlung sind ein sektorenübergreifendes, interdisziplinäres Fallmanagement, ambulant-stationäre Intervalltherapie angesichts begrenzter Therapiekontingente, Supervision sowie Intervision und gegebenenfalls die Zusammenarbeit mit Traumazentren hilfreich.

 

Essstörungen bei Männern - ein Überblick

 

Dr. med. Katharina Giesemann (München)

Niedergelassene Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus München.

Sie gab einen Überblick über Essstörungen bei Männern. Diese sind bekanntlich seltener als bei Frauen: Auf 12 weibliche Anorexiepatientinnen kommt ein Mann mit dieser Erkrankung, bei der Bulimie beträgt das Geschlechterverhältnis 7:1. Wichtige protektive Faktoren sind hierbei, dass aufgrund des höheren Grundumsatzes bei größerer Muskelmasse Übergewicht bei Jungen und jungen Männern seltener auftritt als bei Mädchen und Frauen und zudem das Selbstwertgefühl bei Mädchen und Frauen stärker vom Aussehen abhängt, während Jungen und Männer sich stärker über Ihre Funktionalität definieren. Neben Anorexie, Bulimie und Binge Eating Disorder finden sich aber auch andere Ess- und Körperschemastörungen wie Orthorexia nervosa – eine Fixierung auf eine vermeintlich besonders gesunde oder gar als einzig richtig angesehene Form der Ernährung - und Bigorexie, bei der die Betroffenen ihre intensiv trainierten, muskulösen Körper als eher schmächtig erleben. Diese Störungsbilder begegnen uns insbesondere bei jungen Männern in der Bodybuilderszene. Zugrunde liegen all diesen Störungen in der Regel Beeinträchtigungen der narzisstischen Regulation.

 

Bedeutung der frühen Eltern-Kind-Beziehung

 

Dr. med. Petra Kapaun (Hamburg)

 

Kinder- und Jugendärztin und Psychotherapeutin aus Hamburg, sprach über die Bedeutung der frühen Eltern-Kind-Beziehung. Eine offene Zuwendung mit dem berühmten „Glanz im Auge der Mutter“ (Kohut H. 1973) ist fundamental für die emotionale und soziale Entwicklung des Säuglings. Bei Depression der Mutter oder bei Vernachlässigung und Deprivation ist diese für das weitere Leben entscheidende Entwicklung gefährdet. In ihrem Vortrag würdigte sie deshalb die wichtige Rolle früher und damit rechtzeitiger Hilfestellungen für junge Eltern, der sogenannten Frühen Hilfen, die noch längst nicht überall und in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.

5. Symposium DPÄP und VPK am 12.11.16 in München

Psychokardiologie - Prof. Dr. Christiane Waller (Ulm)

 

Das Risiko für die koronare Herzkrankheit durch psychosoziale Faktoren beläuft sich auf 32,5%. Dabei spielt der berufliche und der finanzielle wie auch der private Stress eine besondere Rolle. Depression macht etwa 10% des Risikos aus, wobei belegt ist, dass die intrinsische Entzündungsaktivität durch Depression erhöht ist. Schließlich finden sich häufig belastende Lebensereignisse in den letzten 12 Monaten. Es geht dabei um das Zusammenspiel von Anforderungen und Fähigkeiten, d.h. um die Frage wie weit sich der Patient den Herausforderungen gewachsen fühlt.

Auch das direkt gefäß- und damit koronartoxische Rauchen ist an psychosoziale Bedingungen gekoppelt, weil es innere Anspannung und depressive Stimmungen lindert.

Ein niedriger sozioökonomischer Bildungs- und Sozialstatus bewirken eine 3-fach höhere Mortalität. „Life-time-stress“ z.B. durch Bindungsstörungen oder Missbrauch erhöhen ebenfalls das Risiko für eine arterielle Hypertonie und eine KHK.

Eine eher selten beschriebene Entität ist das Syndrom des gebrochenen Herzens als Form der Stressmyokardiopathie. Dabei handelt es sich nicht um eine KHK, sondern darum, dass das Herz wie zugeschnürt erscheint, wobei Katecholamine eine besondere Rolle spielen. Männer sind dabei im Vergleich zu Frauen eher geschützt.

Ohne vorbestehende KHK gibt es bei dem Tod von einer wichtigen Bezugsperson ein stark erhöhtes Risiko für einen Myokardinfarkt. Das erklärt, warum nicht selten Ehepartner ihrem verstorbenen Teil in kurzer Zeit in den Tod folgen. Traumatische Erlebnisse wie eine Herzoperation, ein Herzinfarkt, eine Reanimation oder gravierende Herzrhythmusstörungen führen nicht grundsätzlich in eine posttraumatische Belastungsstörung. Bei einer resultierender PTBS ist aber ein früher Tod wahrscheinlich.

Chronische Inflammation als besonderes, systemisches wirksames Problem spielt auch für das Herz eine herausragende Rolle, so bei der Psoriasis. Frau Waller sieht die Forschung in der Verpflichtung  die besonderen Zusammenhänge zwischen psychosozialen Faktoren und der inneren Erkrankung nachzuweisen und damit auch die Bedeutung der sprechenden und Beziehungsmedizin herauszustellen.

 

 

Dermatologie und Psychosomatik – Dr. Steffen Gass (Günzburg)

 

Herr Gass hat in seinem Vortrag an vielen Beispielen gezeigt, wie psychische Faktoren Hauterkrankungen bedingen oder beeinflussen. So steigern sich manche Patienten z.T. in extremer Form in die Vorstellung hinein, dass irgendwelche Mikroorganismen bei ihnen chronische Hautveränderungen bewirken könnten (Dermatozoenwahn). Manche fixieren sich auf Fasern oder Pilzmyzele, die sie in der Haut wachsen spüren und die sie mit Inbrunst zu entfernen versuchen (Morgellons). Eine wichtige Rolle spielen auch verdeckte Selbstverletzungen, die als Artefakte den Arzt vor schwer zu beurteilende Situationen stellt. Dabei bewirken intrapsychisch Konflikte autoaggressives Verhalten mit Hautveränderungen (z.B. das Ausdrücken von Zigaretten auf der Haut), die das besondere Interesse des Hautarztes einfordern. Jedoch entsteht ein Zielkonflikt zwischen den wirtschaftlichen Anforderungen der Praxis einerseits und den Gesprächsbedürfnissen der Patienten andererseits, da der  niedergelassene Dermatologe in seiner Abrechnung derart schlecht gestellt ist, dass er an die 120 Patienten pro Tag in der Praxis durchschleusen muss um wirtschaftlich bestehen zu können. Viele alltägliche Redewendungen deuten auf die psychosomatischen Zusammenhänge in der Dermatologie. So fühlt man sich zum Beispiel „nicht Wohl in seiner Haut“, oder es geht einem „etwas unter die Haut.“ Es gibt also über das schon Angeführte hinaus tatsächlich noch viele weitere Probleme im beruflichen Alltag des Hautarztes, die ein besonderes Eingehen auf den Patienten erfordern wie Waschzwang und resultierende Dermatosen, postmenopausale Dynien oder körperdysmorphe Störungen, so dass die berufliche Realität im eklatanten Widerspruch zum Versorgungsbedarf der Patienten steht.

 

 

Psychosomatik in der Hausarztpraxis - Dr. Martina Koch (Hamburg)

 

Gesprächsführung und Kontaktgestaltung der Arzt-Patienten-Beziehung sind in der Medizinerausbildung längst Lehrthema und eine Mehrzahl der Hausarztpraxen hat eine Abrechnungsmöglichkeit für die „Psychosomatische Grundversorgung“ - die Realität sieht dennoch anders aus: eine betriebswirtschaftliche Kalkulation erzwingt in einer Kassenarztpraxis hohe Scheinzahlen und begrenzt Patientenkontakte auf 5 bis 10 Minuten möglichst nur ein bis zwei Mal im Quartal - ein unzureichender zeitlicher Rahmen für psychosomatisches Arbeiten.

 

Dabei legen geschätzte Zahlen die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Verständnisses von Patientenanliegen in allgemeinmedizinischen Praxen nahe: unklare körperliche Beschwerden machen ca. 20% unter den häufigsten Diagnosegruppen aus, die Häufigkeit hintergründiger psychischer Thematik bei Konsultationen wird zwischen 30 und 70 % geschätzt, die Prävalenzdaten für posttraumatischen Stress liegen zwischen 8 % und 23 %.

 

Hausärztliches Tun unterscheidet sich deutlich von der Neutralität und Abstinenz psychotherapeutisch bzw. psychosomatisch tätiger Fachärzte, bietet gleichzeitig aufgrund der Besonderheit gute Voraussetzung für einen psychosomatischen bzw. somatopsychischen Zugang zu Patientenanliegen. Patienten haben zum Hausarzt einen niedrigschwelligen Zugang: Beratungsanlässe sind vielfältig und nicht immer auf eine Akutsymptomatik bezogen; das Fallverständnis ist hermeneutisch, ein abwartendes Offenlassen ohne Diagnosestellung häufig; die Untersuchung des Körpers ist selbstverständlich mit einbezogen. Allgemeinärzte gehören zu einem Behandlerteam (mit MFA, Altenpflege, Krankengymnast usw.) und  haben als Untersucher, Experte, Autorität, Berater, Motivator, Begleiter und Tröster vielfältige Funktionen. Die Patienten-Beziehungen sind langfristig und schließen oft die ganze Familie mit ein. Die Anamnese ist eine vom Behandler miterlebte; die Kenntnis des Umfeldes ist geteilt und eine persönliche Verwicklung, z.B. durch Einbeziehung in Entscheidungsfragen, dabei nicht immer zu vermeiden. Als Hausarzt schreibt man mit dem Patienten quasi eine gemeinsame Geschichte, auch eine der Leiblichkeit.

 

In Anlehnung an die S3- Leitlinie „Nichtspezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden für die Hausarztpraxis“ ist beim Erstkontakt ausreichend Raum für Symptomschilderung, Beschwerdekontext und subjektive Krankheitstheorie empfohlen. Die ungute Abfolge somatische Anamnese – körperliche, ggfs technische Untersuchung - kein Befund, „dann muss es etwas Psychisches sein“, ist so zu umgehen. Wiedereinbestellung  vermeidet Symptomdruck als Rechtfertigung für  Kontaktaufnahme und dient der Herstellung einer sicheren Bindung ebenso wie eine körperliche Untersuchung, die die besondere Leiblichkeit des Einzelnen berücksichtigt. Sprache und Mitteilung an die Patienten benötigen besondere Aufmerksamkeit: Worte sind Zuschreibungen und können Bilder mit negativer Wucht entstehen lassen. Die Arbeit mit Bildern ist gleichzeitig gut geeignet, Befindlichkeiten oder Krisenmomente auf einer Symbolebene zu fokussieren und unterstützt die Entwicklung eines gemeinsamen Störungsmodells.  Psychoedukation trägt zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung bei und ermöglicht das Wiedererlangen von Selbstwirksamkeit.  Ressourcenaktivierung  unterstützt Bewältigungsstrategien, die im Negativ-Kreislauf von Krankheit und Kontrollverlust verloren gegangen sind.

 

Für die Umsetzung in einer Praxis mit psychosomatischem Schwerpunkt bedeutet das:  niedrigere Fallzahlen, Organisation fester Sprechzeiten für Gespräche von 20 bis 25 Minuten Dauer, Wiedervorstellungsintervalle in der Regel alle 4 bis 6 Wochen  - in Krisensituationen auch 14-täglich - bei einer Patientenklientel mit Somatisierungsstörungen, Ängsten, depressiver Symptomatik, akuter Belastungsreaktion, Persönlichkeitsstörungen u.a. und mit häufiger Komorbidität chronischer körperlicher Erkrankungen (Asthma, Diabetes mellitus, KHK, Karzinom-Erkrankungen usw.).  Die psychosomatische Grundversorgung ist in diesem Setting halt- und strukturgebend. Dabei kann sich die Indikation zu weiterführender Psychotherapie im Antragsverfahren im Einzelfall ergeben, ist aber für eine große Mehrzahl dieser hausärztlichen Klientel nicht indiziert.

 

Für die Gesundheits- und Berufspolitik ist der Forderung nach angemessener Vergütung der sog. freien Gesprächsleistungen der psychosomatischen Grundversorgung nochmals Nachdruck zu verleihen, ansonsten verkommt die „Psychosomatische Grundversorgung“ als reine und nicht gelebte Bezeichnung auf dem Zertifikat des Curriculums. Für neue Organisationsformen wie Medizinischen Versorgungszentren mit Schichtdienst und Teilzeit-Tätigen ist das Gewährleisten konstanter Arzt-Patientenbeziehung zu fordern. Elektronische Patientenakte und Fragebögen halten uns die Patienten vom Leib und machen uns lediglich zu „Machern“, die anhand von Scores Diagnosen stellen und eine Zuordnung zu Therapieschemata vornehmen.

Symposium von DPÄP und VPK am 14.11.2015 in München:

  Psychosomatik 

selbstverständlich in allen Fachgebieten


In dem Symposium referierte Frau Dr. Gabriele Emmerich, Augenärztin  und Psychotherapie, niedergelassen in Darmstadt, über die häufigsten Fragen zur Psychosomatik und Augenheilkunde. Das Thema von Dr.Harald Tegtmeyer-Metzdorf, Kinder- und Jugendarzt, Psychologe und Kinder-Neurologe, lautete „ADHS – psychosomatische Aspekte in der Jugend und Transition“. Dr.Peter Auer, Internist und Gastroenterologe, Chefarzt in den Katholischen Kliniken Emscher-Lippe, sprach zum Thema „Psycho-Gastroenterologie – wo stehen wir 2015?“, und Dr.Eva-Maria Hußlein, Gynäkologische Oberärztin der Chirurgischen Klinik München Bogenhausen, konnte sehr lebhaft über das Thema „Umgang mit unspezifischen Symptomen bei der Frau“ berichten.

Danach fand eine Podiumsdiskussion statt zum Thema „Dachverband Psychosomatik und Ärztliche Psychotherapie – braucht’s das?“ unter Teilnahme von Astrid Bühren, Christa Bartels und Harald Tegtmeyer-Metzdorf. Die Antwort auf diese Frage lautete: eindeutig ja. Betont wurde die zwingende Notwendigkeit, eine adäquate Honorierung für die – sprechende - psychosomatische Diagnostik und Therapie im System der GKV auch in den somatischen Fächern zu erreichen.

 

VPK und DPÄP setzen sich weiterhin für die Stärkung der ärztlichen Psychotherapie ein und lehnen die Direktausbildung zum Psychotherapeuten eindeutig ab. Dies entspricht der Beschlusslage des 117. Deutschen Ärztetag in Frankfurt und der Stellungnahme der Bundesärztekammer sowie auch diverser Beschlüsse aus den Landes-Ärztekammern.

 

Folgende Resolution wurde beschlossen:

Der Gesetzgeber möge dafür Sorge tragen,

dass der Begriff >Psychosomatik< zum Schutze des Patienten und der Patientinnen geschützt  wird und nicht von Professionen genutzt werden kann, die die fundierte Kenntnis der Somatik nicht erworben haben.

Psychosomatische Medizin ist weiterhin als originäres ärztliches Fach zu erhalten.

Psychosomatik erfordert eine fundierte ärztliche Ausbildung und eine anschließende Weiterbildung mit entsprechender Erfahrung. Eine Direktausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten kann dieses Fach auch im Hinblick auf die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten nicht ersetzen.

Psychosomatik ist begründet in der klaren ärztlichen Kompetenz des medizinischen Wissens im Zusammenspiel zwischen Soma und Psyche.

 

Folgendes wird gefordert:

Fortbestehen einer ganzheitlichen Behandlung von Soma und Seele.

Die Psychosomatik bleibt als originäre ärztliche Kompetenz für die Patienten und Patientinnen erhalten und erkenntlich. 

Der freie Zugang zur ärztlichen Psychotherapie und Psychosomatik muss für die Patientinnen und Patienten transparent bleiben.

Die Transparenz für die Patientinnen und Patienten in der beruflichen Bezeichnung sollte weiterhin wie im Gesetz für die Berufe der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten  -1998  zu erkennen sein.

Um für den Patienten hier Transparenz herzustellen,  sollten dem Patienten u. a. wesentliche Kennzeichen der ärztlichen Psychotherapie bekannt sein.

Kennzeichnend für die ärztliche Psychotherapie sind u.a.:

-        diagnostische Differentialdiagnose zur Abgrenzung zwischen somatischen, 

psychosomatischen und psychischen Erkrankungen

-       die Mitbehandlung somatischer Erkrankungen

-       Einleitung und Weiterführung bzw. Überprüfung der Behandlung, etwa bei

Einnahme von Psychopharmaka durch den Patienten

 

Psychosomatische Medizin kann nur weiterhin als originär ärztliches Fach angesehen werden. Der Gesetzgeber hat dafür zu sorgen, dass dieser Begriff zur Sicherheit des Patienten ein geschützter Begriff ist.

 

Zusammenfassung des Vortrags von Frau Dr.med. Eva-Maria Hußlein,

Gynäkologin, ärztliche Psychotherapeutin, Sexualmedizin, Psychoonkologie:

Sie berichtete über Probleme des Beckenbodens bei Frauen mit der Folge der Drang-Inkontinenz und der hyperaktiven Blase. Sie wies auf eine hohe Prävalenz von sexueller Gewalt und Missbrauch bei diesen Patientinnen hin. Wenn auch die Frauen häufiger betroffen sind (12,5 % bis 29 % in der Bevölkerung), muß auch in 4 – 8% der Männer an solche Ereignisse gedacht werden In den USA werden sogar doppelt so hohe Zahlen angenommen. Daher sei es wesentlich, einen behutsamen und sensiblen Umgang mit diesen Patientinnen zu beachten, um beispielsweise eine Re-Traumatisierung, z.B. durch eine gynäkologische Untersuchung, zu verhindern.

Sie wies auf die Folge der muskulären Dysfunktionen des Beckenbodens für den gesamten Bewegungsapparat hin: von Funktionsstörungen der Kiefergelenke über chronische Brust- und Bauchschmerzen, Lumbalgie und Leistenschmerz bis zu schmerzenden Kniegelenken hin.

 

Stichpunkte zum Vortrag Dr.Auer:

Ulcus Ventriculi – von der Psychosomatik zum Helicobacter pylori und zurück zur Psychosomatik. Lactose-Intoleranz und ihre Abhängigkeit vom Stress-Level aufgrund beschleunigter Darmpassage. Die Enzwicklung einer Lactose-Intoleranz durch längerfristige laktosefreie Diät: hierdurch kommt es zum Verschwinden der Lactose-verarbeitenden Bakterien im Darm, und eine Laktose-Reexposition führt zu Symptomen der Intoleranz. Diagnose der Lactose-Intoleranz ist einfach mit dem H2-Atemtest.möglich.

Erhöhte Zufuhr von Fruktose in unserer Ernährungskultur, Assoziation mit Depression und Fettleber, reduzierte Leptin-Produktion und dadurch ausbleibendes Sättigungsgefühl mit der Folge von Adipositas.

Hinweis auf die Problematik der Triangulierung in der Therapie ( Arzt – Psychologe -Patient)! Wichtigkeit Arzt-Psychotherapeut in einer Person. Begegnung Patient-Therapeut auf Augenhöhe.

Studie Depressionen: 74% werden in Haus- und somatischen Facharztpraxen behandelt. Stationär 2/3 in internistischen Abteilungen.

 

Zusammenfassung des Vortrags von Dr. Tegtmeyer-Metzdorf:

Aufmerksamkeitsstörungen beginnen in der Kindheit und bedürfen frühzeitig einer multimodalen Therapie, die zu einer mindestens ausreichenden Teilhabe führen. Je intensiver, pervasiver und länger die Symptome andauern, insbesondere auch die Impulsivität, desto eher wird die Störung auch in der Jugendzeit und im Übergang in das Erwachsenenleben eine Rolle spielen. Während in der Kindheit die Symptome der Ablenkbarkeit, Unruhe und Impulsivität im Fokus der Behandlung stehen, geht es später primär um das soziale Funktionsniveau. Umfeldfaktoren müssen in Diagnostik und Therapie erfasst und mit einbezogen werden. Sekundärproblematik in Form von emotionalen Störungen, insbesondere der Entwicklung eines niedrigen Selbstvertrauens, gilt es im Sinne der sekundären Prävention zu verhindern. Differentialdiagnostik und Erfassung von Komorbidäten müssen akribisch durchgeführt werden. Die Abgrenzung zur Borderline-Persönlichkeitsstörung ist häufig schwierig, zumal bis zu 50% der Borderliner früher ADHS-Symptome hatten.

Beim Übergang der Behandlung (Transition) aus der Hand der Pädiater und der Kinder- und Jugendpsychiater in die der „Erwachsenenmediziner“ müssen alle Beteiligten sich umstellen: Allgemeinmediziner, Internisten aber auch Psychiater müssen sich noch mehr mit der Behandlung vertraut machen, die Eltern müsse lernen loszulassen und die Betroffenen selbständiger werden.


Bericht über das DPÄP-Symposium 3/2013 in Heidelberg

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/psychosomatische-medizin-statt-des-eingriffs-12111067.html


"Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" vom 26.03. - 29.03.2014 in Berlin. Leiter Prof. Dr. Johannes Kruse.

Pressemitteilung des Dachverbandes Psychosomatik und Ärztliche Psychotherapie (DPÄP) und der Vereinigung psychotherapeutisch tätiger Kassenärzte (VPK) vom 27.03.2014

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Psychosomatische Erkrankungen in jedem Fachgebiet

 

Berlin, 27.03.2014 – Erst wenn körperlich nichts zu finden ist, wird nach psychischen Leiden gesucht. So verläuft oft die Differenzialdiagnostik. Der Dachverband Psychosomatik und Ärztliche Psychotherapie (DPÄP) sowie die Vereinigung psychotherapeutisch tätiger Kassenärzte (VPK) fordern einen Paradigmenwechsel: Ärzte müssen von Anfang an gleichermaßen körperliche und seelische Möglichkeiten der Symptomverursachung abklären. „Es ist medizinisch korrekt, jeden Menschen als ein Zusammenspiel von Körper und Seele zu sehen. Das gilt für alle Fachgebiete“, sagte Dr. Astrid Bühren, Mitglied des DPÄP-Sprecherrats und VPK-Vorstand, am heutigen Donnerstag auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Berlin. Zudem verlange unser solidarisches Gesundheitssystem, möglichst nebenwirkungsfrei und kostengünstig Diagnosen zu stellen und Krankheiten zu behandeln. Bühren betonte: „In allen somatischen Fächern mit Patientenkontakt muss die Psychosomatische Ausbildung in die ärztliche Weiterbildung integriert und Psychosomatik angemessen vergütet werden.“

 

Sensible Sinnesorgane

 

Psychische und psychosomatische Erkrankungen sind heute allgegenwärtig. Wie verschiedene Studien ergaben, leiden etwa 30 Prozent der Krankenhauspatienten an einer psychischen oder psychosomatischen Störung – auch in Fachgebieten, wo man es nicht vermutet. Das zeigten die Themen auf dem Symposium der beiden Verbände. „In der Augenheilkunde können stressbedingte Veränderungen des Hormonhaushalts und des zirkadianen Rhythmus‘ zu wiederholt auftretenden oder chronischen Erkrankungen wie dem Trockenen Auge sowie Entzündungen der Regenbogenhaut, der Augenlider und des Sehnervs führen“, berichtete Dr. Gabriele Emmerich aus Darmstadt. Beispielsweise könnten Veränderungen des Schlafs durch Schichtarbeit oder Schlafstörungen etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit die Augen belasten. Daher seien bei der Diagnostik auch Tagesrhythmus, Ernährung, Bewegung und Entspannung sowie krankmachende Umstände im sozialen Umfeld zu erfassen.

 

„Allerdings sind ein ausführliches Gespräch und eine Beratung angesichts der großen Patientenzahl und mangels Honorierung im Praxisalltag nicht möglich“, kritisierte die Augenärztin. Mit der Zusatzausbildung „Psychosomatische Grundversorgung“ oder einer psychotherapeutischen Zusatzausbildung würden Gespräche zumindest teilweise honoriert. Auch in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde gibt es großen Gesprächsbedarf: Denn Wechselwirkungen körperlicher und seelischer Prozesse, biologische und psychosoziale Faktoren können Störungen des Hörens, des Schluckens, des Sprechens und der Atmung verursachen. „Chronischer Stress kann das auditorische System verändern und so etwa einen Tinnitus auslösen oder verstärken“, sagte Dr. Astrid Marek, Fachärztin für HNO-Heilkunde an der Ruhr-Universität Bochum.    

 

Sprechende Medizin aufwerten

 

Über ein erfolgreiches psychosomatisches Konzept in der Gynäkologie berichtete Dr. Claudia Schumann, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Northeim. Mit „Tender loving care“ (TLC), einer besonders intensiven Betreuung von Frauen mit wiederholten Fehlgeburten ungeklärter Ursache, lässt sich die Abortrate deutlich senken. „Nach einer Fehlgeburt ist die Trauer groß und die Betreuung muss sehr einfühlsam sein, damit die Frau diesen Verlust verarbeiten kann“, sagte Schumann. Bis zu zwei Prozent aller Schwangeren erleben wiederholt Fehlgeburten, habitueller Abort genannt. Bei mehr als der Hälfte aller Fehlgeburten lässt sich keine körperliche Ursache finden. Allerdings trage die Vergütung in Form einer Quartalspauschale für die Betreuung von Schwangeren nicht den großen ärztlichen Einsatz bei TLC, kritisierte die Gynäkologin. Die Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe setzt sich derzeit für eine Anerkennung und Honorierung wirksamer psychosomatischer Behandlungsansätze ein.

 

Die sprechende Medizin müsse dringend aufgewertet werden, machte auch Dr. Harald Tegtmeyer-Metzdorf deutlich. Der  Kinder- und Jugendarzt aus Lindau erläuterte Psychosomatik in seinem Fachgebiet am Beispiel der frühkindlichen Regulationsstörungen. Dabei handelt es sich um eine komplexe Integrationsstörung von externen Reizen beim Kind. „Diese Selbstregulation ist unlösbar in die Mutter-Kind-Symbiose eingebunden. Je nach Konzept zählen auch exzessives Schreien, Fütter- und Schlafstörungen dazu“, berichtete Tegtmeyer-Metzdorf. „Acht bis 20 Prozent der Kinder sind betroffen – frühkindliche Regulationsstörungen gehören zu den häufigsten und größten Belastungen in der frühen Mutter-Kind-Beziehung.“ Er betonte, dass Eltern und Kinder einer ganzheitlichen und gesprächsintensiven Behandlung bedürfen, die individuelle körperliche wie psychosoziale Aspekte berücksichtigt. Eine rein somatische Therapie dagegen fördere nur die Zuwendung der Eltern zu dubiosen paramedizinischen Heilversprechen.

 

 

Über die Verbände:

Der 2012 gegründete Dachverband Psychosomatik und ärztliche Psychotherapie in den somatischen Fachgebieten (DPÄP) will die sprechende Medizin in den körpernahen Disziplinen fördern, wie in der Allgemeinmedizin, Augenheilkunde, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Inneren Medizin, Kinder- und Jugendmedizin sowie Orthopädie. Der Verband besteht aus mandatierten Mitgliedern von entsprechenden Fachgesellschaften und Einzelpersonen. Initiiert wurde die Entstehung des DPÄP von der 1991 gegründeten Vereinigung psychotherapeutisch tätiger Kassenärzte (VPK), dem Berufsverband der niedergelassenen psychotherapeutisch tätigen Ärzte. Er ist der einzige Berufsverband, der fachgruppen- und methodenübergreifend die Interessen aller psychotherapeutisch tätigen Vertragsärzte bundesweit vertritt.

 

Pressekontakt: Dr. med. Astrid Bühren, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Sprecherrat DPÄP, Vorstand VPK, Tel. 08841 2703, Mobil: 0171 8980965, E-Mail: abuehren@t-online.de

Weitere Informationen:www.vpk.info

 

Bei Abdruck bitten wir um ein Belegexemplar.