Welche Ziele verfolgt die DPÄP?

                                                                                                            2. April  2012

  

Dachverband für Ärztliche Psychosomatik und Psychotherapie in den somatischen Fachgebieten nimmt Arbeit auf.

 

 

Am Rande des Psychosomatik-Kongresses in München trafen sich auf Initiative der Vereinigung psychotherapeutisch tätiger Kassenärzte (VPK e.V.) Ärztinnen  und Ärzte, die auf dem Gebiet der Allgemeinmedizin, Augenheilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Inneren Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Orthopädie, Pädaudiologie und Phoniatrie, Psychoonkologie, Psychiatrie oder Psychosomatik tätig sind.

 

Einstimmig wurden folgende Ziele beschlossen:

 

  • Es ist im Sinne einer guten ärztlichen Versorgung von kranken Menschen nicht zielführend, die Behandlung körperlicher und psychischer Symptome und Krankheiten strikt je nach Fachgebiet zu trennen. Die vielen segensreichen medizinischen Fortschritte haben zu einer  einseitig auf Technik ausgerichteten Medizin geführt, die oftmals zu Lasten der Subjektivität und Berücksichtigung individueller lebensgeschichtlicher und seelischer Faktoren der Patientinnen und Patienten geht.  Wir brauchen aber eine Medizin, die ausgewogen die körperlichen und seelischen Aspekte von Symptomen und Beschwerden im Verlauf von Krankheit und Genesung berücksichtigt.
  • Gerade im Zusammenhang mit den großen Volkskrankheiten wie z.B. Schmerzen des Bewegungsapparates, Bluthochdruck, Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus, einer Krebserkrankung oder im Umgang mit Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter oder mit Beschwerden im Zusammenhang mit Menstruation und Schwangerschaft ist es erforderlich, dass Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen das Zusammenspiel von körperlichen und seelischen Faktoren kennen und adäquat berücksichtigen und therapieren.
  • Der Dachverband soll den Ärztinnen und Ärzten, die eine Medizin für Körper und Seele anbieten wollen, ein Forum zum Erfahrungsaustausch bieten. Die gegenseitige Unterstützung soll dabei helfen, im jeweils eigenen Berufsverband oder der eigenen Fachgesellschaft Arbeitsgruppen oder Sektionen aufzubauen, die per Fort- und Weiterbildung weitere Fachgebietsangehörige motivieren, ebenfalls die psychosomatischen Aspekte in die eigene Arbeits-weise zu integrieren und gegebenenfalls  fokuszentriert psychotherapeutisch zu intervenieren.
  • Standespolitisch wollen wir uns dafür einsetzen, dass das Curriculum „Psychosomatische Grundversorgung“ obligater Bestandteil der Weiterbildung in allen Fachgebieten der unmittelbaren Patientenversorgung wird und nicht - wie bisher  - nur in der Allgemeinmedizin und in der Gynäkologie und Geburtshilfe.
  • Die Zusatz-Weiterbildung Psychotherapie (fachgebunden) bzw. Psychoanalyse soll ebenfalls gefördert werden, z.B. in fachspezifischen Weiterbildungsgängen wie demnächst in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Gleichzeitig muss sie aber auch zumindest kostendeckend für Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung honoriert werden. Dies ist derzeitig leider nur in wenigen Kassenärztlichen Vereinigungen der Fall. Derzeitig haben in Deutschland ca. 14.000 Ärztinnen und Ärzte diese Qualifikation, aber nur ein geringer Prozentsatz kann sie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch erbringen. Das Hauptproblem ist, dass sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Behandlung die sprechende Medizin nicht kostendeckend honoriert wird – also entweder die kaufmännische Leitung der Klinik interveniert oder die Ärztinnen und Ärzte in der Praxis den wirtschaftlichen Ruin riskieren, wenn sie diese zuwendungs-intensiven Leistungen erbringen.
  • Entscheidungsträgerinnen und –träger in Politik und Selbstverwaltung  sollen überzeugt werden, die entsprechenden inhaltlichen, versorgungsstrukturellen und finanziellen Weichen für eine Stärkung und Förderung der ganzheitlichen ärztlichen Behandlung  kranker  Menschen zu stellen.
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer formulieren: „Wir wollen, dass das Gesundheitssystem seitens der Politik und der Krankenkassen so ausgerichtet wird, dass wir für alle Patienten und Patientinnen die individuell indizierten Behandlungsmethoden und insbesondere auch die sprechende und zuwendungsorientierte Medizin ohne Gefährdung unserer  eigenen beruflichen Existenz anwenden können.“